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September
In der Regel glauben wir viel, wissen aber wenig. Für wahr. Für wahr. Und obwohl wir glauben das es keinen Gott gibt, und daher nicht an ihn glauben, wissen wir es dennoch nicht so wirklich. Für wahr. Ich entdecke vielleicht das Beten für mich. Ein geschätzter Freund und ich waren unterwegs um einzukaufen. Bei einer roten Ampel sprach uns ein alter Fremder an, um im Namen Gottes - den christlichen - seine vermutlich heilige Pflicht zu erfüllen, und Fremden das Christentum nahe zu bringen. Es ist ein Mischgefühl aus Bewunderung und Abscheu, denn solche Menschen pflegen ihr hohes Alter nicht damit, Einfahrten und Gehwege vom Schnee freizuschaufeln, schon gar nicht im September weil da kein Schnee bei uns liegt, aber auch nicht mit nichts tun oder was alte Menschen sonst so machen. Solche Menschen im hohen Alter, stellen sich auf die Straße um Fremde wie wir es waren anzuquatschen. Ich stecke so ein bisschen in einem Zwiespalt. Denn ich weiß noch nicht genau warum ich es immer noch trage. Auf der einen Seite, weil ich finde das es gut aussieht. Ich mag das Holz und das braune Band. Auf der anderen Seite ist für mich so ein bisschen eine emotionale Insigne, was mich stört. Auf der einen Seite schreibe ich diesem Schmuckstück eine besondere und eigene Bedeutung zu, weshalb ich Schmuck überhaupt trage. Andererseits hat dieser Schmuck eine allgemeine prägnante Bedeutung, was mich stört. Das Schlimme daran ist, dass das tragen dieses Schmucks im Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung steht. Aber dazu komme ich noch. Jeder kennt das Gefühl des Unbehagens, wenn aktiv geistliche vor der Tür stehen, und über ihren einzig wahren Gott monologisieren wollen. Aber ich dachte mir sciheß drauf! Obwohl ich eine fundamentale Abneigung gegenüber Religionen habe, war ich dem Fremden mit hohen Alter aufgeschlossen. Im wesentlichen sprach er nicht das übliche "Gott und sein Homeboy Jesus sind so super"-Gelaber, sondern wollte nur zum Glauben anregen. Er gab uns Flyer, eine Anleitung zum Beten, und einen Rosenkranz mit. Religionen sind wie Fußballvereine. Man findet die Religion für gut und richtig in die man hineingeboren und erzogen wird. Alle anderen sind nicht das Wahre, und es stört einen auch nicht wenn die eigene Religion die Weltmeisterschaft gewinnen würde, anders herum jedoch schon. Festgefahrene Muster. Ich trage das Teil noch immer, und ich möchte es mal mit dem Beten probieren. Das letzte Mal gottgläubig war ich im Alter von sechs. Mit sieben habe ich dann schon Dinge ernsthaft in Frage gestellt. Somit komme ich mir zur aktuellen Lebzeit, wenn ich einen Gottesdienst besuchen muss, vor wie in einer staatlich und gesellschaftlich anerkannten Freakshow. Ich glaube an keinen Gott und ich werde es auch nie. Realismus. Ich glaube auch nicht an höhere Mächte oder sonst was. Realismus. Aber ich glaube an die Psychosomatik, und den positiven freien Glauben. Und das Teil fühlt sich nun mal gut an. Die Symbolik die ich diesem Rosenkranz gebe. Aber auch die dadurch auferlegte Zugehörigkeit der Spiritualität. Fazit ist es positiv für mich, ohne in innere Konflikte zu geraten. Daher trage ich das Teil immer noch. Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung. Ich möchte es mit beten probieren. Nur für mich. Aber nicht für mich. Denn ich finde es falsch für persönliche Gesundheit, Reichtum, Erfolg oder was auch immer zu beten, und einen Eigennutzen daraus zu ziehen. Auch ohne an Gott zu glauben, finde ich es falsch wenn Menschen zu einem Gott beten, nur weil sie etwas egoistisches haben wollen. Ich finde es gut für andere oder anderes zu beten. Ich finde es gut, sich mit der Prozedur Bewusstsein zu verschaffen. Auch zu realisieren, und Dinge zu schätzen. Ich war nicht dabei, als sie im Irak um Öl gekämpft haben. Ich bin nicht dabei, wenn sie in Afghanistan die zerstörten Straßen einer zerstörten Infrastruktur einer zerstörten Regierung mit Leichen bedecken. Aber ich kann in Gedanken dabei sein. Damit es mir nicht egal ist, dass zwölfjährige Buben und Mädchen in Indien keinen Reichtum und nicht mal Wohlstand haben, aber sechzehn Stunden Schichten leisten, damit unser feistes Volk reichlich Klamotten in etlichen H&Ms vorfindet. Somit soll mein Beten mir Bewusstsein schaffen. Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung ist, dass ich nicht in Versuchung geraten möchte, mich beschützt oder besonders zu fühlen. Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung ist, die Tatsache das ein Jesuskreuz dran hängt, und ich trotz meiner eigenen Bedeutung die Symbolik einer Religion repräsentiere. Aber wozu habe ich dann diesen Rosenkranz? Und weshalb trage ich ihn, immer noch?
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