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07
September
Dies Werk soll Zeugnis tragen, über die Ereignisse und Entwicklung meines Lebens. Jedes Wort für wahr, und jede Silbe für ehrlich empfunden werden. Und so nimmt ein gelungener Abend ein dennoch trauriges Ende. Denn ein Leben wurde unerwartet verlebt. Katharsis. Ich kann berichten, dass ich zum ersten Mal in diesem Ausmaß, eine wundervolle Erfüllung mein Leben bereichert. Ich fühle mich erfüllt, zufrieden und glücklich. Ich habe bei dem Einsortieren meiner Sachen ein altes Notizbuch gefunden, dessen ich folgenden Inhalt entnommen habe: <? Jän 13RückblickendArbeit bei MTech entpuppt sich als fragwürdig und mies. Deren Fehler, nicht meiner. #### Brutto. Beziehung mit Lisa schwach bis kaum vorhanden. Nette Wohngemeinschaft. Ablaufdatum. Keine Freunde. Lukas meldet sich nicht. Ist momentan glücklich. Ich bin unglücklich. Syntax. Semantik. Pragmatik. Menschliches Verhalten nach boolschen Operatoren kategorisieren. Der Körper will sich spüren. - will Gesundheit. - will Auslastung. Der Geist will wachsen. - will reifen. - will Bindung. Die Seele will Balance. - will Ausgeglichenheit. Woher kommt die Affinität zwischen mir und fremden Menschen? Exclusiv-Or-Semantik. Punkt. ?> Es erscheint mir fast schon lachhaft. Mein Terminkalender ist zwar nicht gesteckt voll, aber nun mehr keine nutzlose Applikation meines Mobilfunktelefones. An zwei von sieben Tagen wandern, einen Tag Camping, ein Tag mit fortgehen und tanzen, ein Tag mit gemütlichen Beisammensein. Es ist nun eine Auslastung da. Der Körper spürt sich. Und ist auf dem Weg wahrer Gesundheit. Das Thema Beziehungen, Sex und Ficken, bzw. Fickbeziehungen ist durch. Ich will es nicht näher erläutern, aber nach diversen Gesprächen, konstruktiven Input und einem nächtlichen Spaziergang, hat zum Beispiel Ficken keine sonderliche Relevanz mehr. Ficken ist zwar schön und wichtig, aber die Lektion die ich angefangen habe zu lernen ist wichtiger. Und so wachst unter anderem der Geist. Er reift. Ich spüre mich, arbeite an mir. Ich bekomme konstruktiven Input, und habe auch kreativen Output dank der Musik die ich wieder mache. Ich lerne Dallas Green Lieder zu spielen, oder erstelle Lieder am Computer und spiele jeden Ton ein, bis ein Lied daraus wird. Meine Freundschaften florieren, und mein Freundeskreis wächst. Ich lebe noch nicht ganz in Balance, aber dafür ausgeglichen. Ein Leben wurde unerwartet verlebt. Ich bin diesen Morgen mit einem Lächeln aufgewacht. Endlich! Endlich Freitag. Cyberpunkers, Modestep, Dumme Jungs. Shaken bis es Früh wird. Alkohol und Tanzwut. Ja! Einfach tanzen. Mit geschlossenen Augen tanzen; alles rundum vergessen und sich spüren. Nachdem wir uns im Museumsquartier eingeweicht hatten, fuhren wir mit den Öffis zum WUK, checkten uns die Karten, und pflegten dann noch einen unterhaltsamen Sitzkreis irgendwo am grauen Asphalt in einem Park ein paar Strassen weiter, bis der Pegel und die Laune komplett auf den Dancefloor ausgerichtet waren. Im WUK hatten sie sogar Zott-Monte in flüssiger Form, wonach ich schon lange lange gesucht habe. Haselnussschnaps. Der Lukas kam zu unserer Gesellschaft hinzu, was mich angemerkt, so dermaßen freute, endlich DIE Burschenpartie zu sein und einen drauf zu machen. Und wir machten einen drauf. Gegen Mitternacht haben wir die Füße bewegt. Um Eins spielte Modestep, und es war so geil. Ich tanzte am Rand der Tanzgesellschaft, da wo mehr Platz ist zum strampeln. Als ich so meine Pirouetten drehte, bemerkte ich das da eine junge Frau in der Ecke sitzt und mit sich fertig ist. Ich tanzte mal recht locker hinüber, und beim näheren Betrachten viel mir auf das sie weinte. Ich finde niemand hat es verdient, an so einen schönen Abend zu weinen. Ich checkte mal ihre Berührungsängste ab, und umarmte sie dann kurz. Ich wollte sie mit meinem überschüssigen Glück regenbogenfarbig ankotzen. Ich umarmte sie kurz, und bot ihr meine Rechte zum Tanz an. Sie verneinte, und ich akzeptierte das. Einige Zeit später ging Modestep glorreich zu Ende. Ich verließ die Mainstage um draussen kurz frische Luft zu schnappen. Da saß sie. Auf einer roten Heurigerbank, und weinte. Und wirklich niemand hat es verdient, an so einem schönen Abend zu weinen. Ich setzte mich mit geringen Abstand neben sie, und noch bevor sie etwas sagen konnte sagte ich zu ihr: "Ich bin kein Tröster. Ich bin ein Unbekannter. Ich seh, du bist traurig. Und vielleicht willst du heute an diesem Abend einem Unbekannten dein Herz ausschütten, mit dem Gedanken daran, dass wir zwei Unbekannte am Ende unseres Gesprächs diesen Abend noch getrennte Wege gehen. Nutze die Möglichkeit und erfahre vielleicht positiven Input. Was hältst du davon?". So kamen wir ins Gespräch. Und jetzt kommt die Kirsche des Sahnehäubchens des riesen Erdbeer-Schoko-Eisbechers der sich mein Leben nennt. Wir führten gute zwanzig Minuten lang ein Gespräch, bis dann ihr Exmensch aus Krems angefahren kam um sie zu trösten. Nach dem Gespräch zweier Unbekannter, war sie ein bisschen weniger traurig, gar weinte sie noch. Mit einer ehrlichen und herzlichen langen Umarmung, meinte die junge Sozialarbeiterin mit lockigen Haaren und steirischen Dialekt, dass ich ein super Sozialbetreuer wäre. Sarkasmus. Wir dankten und wünschten einander alles Gute. Und so ging sie ihres Weges, und den meinen. Punkt. Keine sexuellen Neigungen, kein Nummern austauschen, kein seichter Smalltalk, nein, einfach ein zutiefst menschliches Gespräch zwischen zwei Unbekannten. Auch wenn ich oft sage, dass man sich vom Gutmenschentum nichts kaufen kann, und auf Plattformen und Clubs immer übrig bleibt wie die letzten Restln vom Vortag, so ist das ein Sieg für mich. Ein Sieg in der Hinsicht, weil mir ein solches Erlebnis wesentlich mehr bedeutet als kalter Sex zweier Unbekannter die sich egal sind, und spätestens am Tag nach dem Morgen vergessen. Ein Sieg für mich, weil es mir verdeutlicht wie wertvoll mir meine Prinzipien sind. Punkt. Um Fünf sind wir dann weg gegangen, haben beim McDonalds gefrühstückt wie Könige nach einer Schlacht, und sind dann mit dem Zug Richtung Heim gefahren. Ein Leben wurde unerwartet verlebt. Und so spanne ich nun fort, dass ein kleiner Vogel sein jähes Ableben fand, als er versuchte mit seinem Genick eine Glasscheibe zum bersten zu bringen. Es ist alles andere als komisch. Der Zug fuhr ein, und ich wollte das zuckende Wesen nicht dem ÖBB Reinigungspersonal oder gar dem Abfalleimer überlassen. So packte ich ihn ein und nahm ihn mit. Lukas merkte wie mir zu mute war. Er merkte, dass mir das Ableben eines Vogels nahe ging. Ich beerdigte ihn nahe der Baustelle meines Bahnhofes, und besang sein Ableben mit einem Mantra. Fin.
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