letzte Kommentare / genial mondtanz


08
November
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Das Antidot oder Antidoton (von lat. antidotum „Gegenmittel, Gegengift“) ist ein (stoffliches) Gegenmittel zu Giften, Toxinen, Medikamenten oder anderen Substanzen, die auf einen Organismus Einfluss nehmen. Das Antidot vermag: die toxische Wirkung einer Substanz zu vermindern, eine Substanz vom Wirkort zu verdrängen (Antagonismus, kompetitive Hemmung), die Ausscheidung einer Substanz zu beschleunigen. Ein Antidot kann über eine oder mehrere dieser Fähigkeiten verfügen und so die Gefährlichkeit des Zustandes für den betroffenen Organismus verringern oder ganz beseitigen. Antidote können selbst ebenfalls toxisch wirken, so dass ihre prophylaktische Anwendung beschränkt ist.

 
 
01
November
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Kontrast bezeichnet den Unterschied zwischen hellen und dunklen Bereichen eines Bildes (es unterscheidet helle und dunkle Farben). Umgangssprachlich wird auch von Brillanz gesprochen, die aber im Unterschied dazu technisch nicht definiert ist.


Es war eine Halloweenparty. Und nach einem ausgiebig zelebrierten Abend, die Flasche Whisky halb voll oder halb leer, erwische ich mich sechs Uhr morgens neben Daria, der selbst ernannten Oberschichtslesbe, im Bett liegend und philosophierend. Es geht um Wohlstand und darum, dass die Menschen nie damit zu frieden sind was sie haben. Und das ist richtig. Selbst wenn wir höchsten Wohlstand und nach Maslow Transzendenz genießen können, wird uns das nicht genug sein.

Weiß.
Mit Weiß ist es leicht und einfach. Es funktioniert ganz offen in jeder Hinsicht und Ebene. Weiß lindert und stillt jegliche Bedürfnisse. Weiß bleibt weiß, und ziert den Banner des Kopfes so wie eine Krone dessen König. Ich breche ihr Licht in Farben auf.

Ich denke es geht weniger um geistige oder persönliche Entwicklung. Viel eher ist es die Gier oder Egoismus, das Richturteil der Menschen, dass sie dazu verdammt die Welt in gleicher Maßen aufzubauen so wie niederzureissen. Ich schließe auch auf etwas Höheres, und orientiere mich an der Konstante der Veränderung. Jedenfalls kann ich diesem menschlichen Laster nur theoretisch entsagen. Denn ich habe ja gesehen was in mir passiert wenn aus Theorie Praxis wird, und Vorstellung auf Realität trifft.

Schwarz.
Schwarz ist tief gehend und schwer. Mit Schwarz ist es irgendwie schwierig und kompliziert, und ich erliege an der Schwere ihrer Farbe. Schwarz bleibt schwarz, und ziert den Banner des Herzens als schwarzer schwerer Mantel. Sie absorbiert die Farben meines Lichts.



Und so genoss ich einen schönen Abend mit netter Gesellschaft.
Aber so ganz kam ich mit dem Kontrast nicht klar. Am selben Tag noch aus der weißen Ferne zurückgekehrt, fühlte ich mich zwar sehr müde aber dafür leicht und glücklich, und dann am Abend mit der Schwere der Nacht konfrontiert. Aus Theorie wurde Praxis. Aus Vorstellung Realität. Und es ist ein Unterschied ob man die Augen schließt und Schwarz sieht, oder ihr leibhaftig gegenüber steht.

Aber sei es darum.
Ich finde es nicht schlimm nicht das zu bekommen was ich begehre, denn ich bin sehr dankbar für das was ich habe.
Sie fragte mich damals ob es bei mir kein Weiß und Schwarz gibt, und ich sagte ihr, "Nein, so gut wie nie. Alles hat mehr als nur eine Seite und einen Aspekt.". Und so will ich weder nur das Eine noch das Andere. Denn ich bin Grau.

 
 
11
Oktober
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Neun Tage später, ist die Welt noch die gleiche und dennoch eine andere. Und dort wo sich Türen schließen, eröffnen sich neue Wege.


Meine Freundschaft mit der Franca floriert.
Wird substanzieller und manifestiert sich.
Auch geben wir uns Nähe. Unglaubliche Nähe.
Die Welt meint es gut mit uns.

Meine Freundschaft mit der Nina stagniert.
Kinderschuhe brauchen Zeit um gebunden zu werden.
Sie ist jetzt ihrem Menschen wieder nahe.
Und die Welt meint es gut mit uns.

Das Training fordert und formt mich.
Ich spüre mich, jeden Tag. Und es ist schön.
Ich habe ein tolles Ziel vor Augen.
Die Welt meint es gut mit uns.

Am Samstag sehe ich 65 Days of Static.
Und zu später Nacht auch die Franca.
Ich bin so voller Vorfreude.
Und die Welt meint es gut mit uns.

 
 
03
Oktober
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"An die Liebe. Ich habe dich nicht gebeten zu bleiben, doch du bist geblieben. Ich habe dich niemals gefragt wer du bist oder was du willst. Du warst einfach da. Was willst du nur Liebe von mir? War ich nicht viel stärker allein und habe ich dich jemals gebraucht? Doch bleib noch ein bisschen. Nicht lang! So lange nur bis keiner mehr fragt " Na, wie geht´s?" Und ich nicht mehr sage "Es geht!" Ein jeder sieht gleich, du bist da. Denn wenn du mich einstmal verlässt, sei dir sicher ich gehe mit dir!" - Paul Kranz


Dialog Herz.
Unglücklich verliebt. Woche drei.
Was als offener Dialog der Aufrichtigkeit begann, wird jetzt unter dem Mantel des Schweigens verhüllt.
Lange habe ich nachgedacht. Mehrere Tage bin ich einfach nur da gelegen, habe aus dem Fenster gesehen und gedacht.
Ich denke das war nötig, um einen helfenden Anker über Board werfen zu können. Die Schiffe der Liebe sinken nicht. Sie ertrinken. Diese Worte sind von Theatralik gezeichnet. Denn das Herz, ja das Herz, es wird nie rational sein. Das kann es gar nicht. Der rationale Kopf hingegen ist besorgt, versucht zu retten und mildern. Der rationale Kopf ist derjenige der die Scherben aufheben muss. Er ist der Erwachsene. Und dennoch wird er immer die Hure des Herzens sein. Der Kopf ist der Erwachsene der das Kind für die Mühen seiner Taten hasst, aber es dennoch über alles liebt.

Bevor ich den Eintrag zu dritten Mal wieder lösche, weil mir solche Theatralik und Drama dermaßen zu wider sind, sollte ich die Scham des Kopfes bedenken, denn auch ein naives Kind hat ein Anrecht zu sprechen. Denn es empfindet rein und ehrlich.
Für unsere Gefühle können wir nichts. Sie sind einfach da.
Wir können versuchen sie zu kontrollieren, aber beherrschen werden wir sie nie. Und als Gegensatz zu etlichen Ratschlägen wie, "Mach dir keinen Kopf. Denk nicht zu viel darüber nach. Gib sie/es auf.", lasse ich mich darauf ein. Mache ich mir einen Kopf. Ausgeglichenheit erfordert zwei zufriedene Parteien, und keine Diktatur des Kopfes.

Wie war das, wie ist es?

Ich empfinde Interesse für einen Menschen.
Doch der Mensch dem ich näher kommen, kennenlernen möchte, möchte einem anderen nahe sein. Ist es. Zurecht. Ich bedenke nicht nur meine Perspektive, sondern will auch ihre verstehen. Dadurch akzeptiere ich die Lage wie sie ist. Ich freu mich auch für sie, denn wenn so wie sie ihr Glück mit ihm beschrieben, auch in ihm gefunden hat, ist es mehr als wünschenswert. Doch leider teilen wir beide auch mehr oder weniger das gleiche Schicksal der unglücklichen Liebe. Und ich denke, wir bewirten auch beide den gleichen ungebetenen Gast. Die Hoffnung.


Hoffnung. Da bist du nun auch wenn ich dich nicht darum gebeten habe. Auch wenn ich dich gar nicht an meiner Seite haben möchte. Du bist einfach da. Du kannst einem der größte Freund und schlimmste Feind sein. Skeptisch stehe ich dir gegenüber. Du liebe Hoffnung kämpfst für mich erbarmungslos, und ich sehe dich an und will deine Gräueltaten nicht würdigen. Und wenn ich durch den Trümmerhauf gehe, und entsetzt sehe was du verrichtet hast, wozu du imstande bist, wünsche ich dich weit fort von mir. Doch du bleibst.


Dialog Kopf.
Unglücklich verliebt. Woche drei.
Was als offener Dialog der Aufrichtigkeit begann, wird jetzt unter dem Mantel des Schweigens verhüllt. Sich zurücknehmen ist angebracht. Es ist sehr schwierig, denn ich denke nach meinem offenen Bekenntnis distanziert sie sich jetzt. Vor allem weil ihre Liebe erwidert wurde. Es nimmt die substanzielle Masse unserer Gespräche ab. Logisch. Denn wie soll man eine Freundschaft führen oder aufbauen, in dem Wissen das der andere mehr als das empfinden möchte. Aber ganz so ist es nicht. Ich werde sie nicht fallen lassen nur weil ich mir der Unerreichbarkeit bewusst bin. Gott ich weiß doch nicht einmal ob je eine relevante Chance gehabt hätte. Ich lass sie nicht fallen weil ich an einer Freundschaft interessiert bin. Auch wenn die Hoffnung mir ins Ohr flüstert. Aber das blende ich aus. Und auch wenn mir insgeheim eine Nachricht oder ein Anruf mehr bedeutet als ich es zugeben möchte, so habe ich Position bezogen. Und daran ist nichts zu ändern. Aber ich denke das versteht sie nicht. Und dadurch denke ich wird es sich wahrscheinlich verlaufen. Und das ist das was mich eher unglücklich machen wird, als nicht erwidertes Interesse.

Liebe macht aus uns Narren.

 
 
14
September
Leben an sich, ist nur eine Verblendung der Sinnlosigkeit aller Existenz. Nach einem relevanten Sinn zu suchen macht das Leben nicht lebenswerter; aber sinnvoll.

 
 
11
September

In der Regel glauben wir viel, wissen aber wenig. Für wahr. Für wahr. Und obwohl wir glauben das es keinen Gott gibt, und daher nicht an ihn glauben, wissen wir es dennoch nicht so wirklich. Für wahr.


Ich entdecke vielleicht das Beten für mich.

Ein geschätzter Freund und ich waren unterwegs um einzukaufen.
Bei einer roten Ampel sprach uns ein alter Fremder an, um im Namen Gottes - den christlichen - seine vermutlich heilige Pflicht zu erfüllen, und Fremden das Christentum nahe zu bringen.
Es ist ein Mischgefühl aus Bewunderung und Abscheu, denn solche Menschen pflegen ihr hohes Alter nicht damit, Einfahrten und Gehwege vom Schnee freizuschaufeln, schon gar nicht im September weil da kein Schnee bei uns liegt, aber auch nicht mit nichts tun oder was alte Menschen sonst so machen. Solche Menschen im hohen Alter, stellen sich auf die Straße um Fremde wie wir es waren anzuquatschen.

Ich stecke so ein bisschen in einem Zwiespalt.
Denn ich weiß noch nicht genau warum ich es immer noch trage. Auf der einen Seite, weil ich finde das es gut aussieht. Ich mag das Holz und das braune Band. Auf der anderen Seite ist für mich so ein bisschen eine emotionale Insigne, was mich stört. Auf der einen Seite schreibe ich diesem Schmuckstück eine besondere und eigene Bedeutung zu, weshalb ich Schmuck überhaupt trage. Andererseits hat dieser Schmuck eine allgemeine prägnante Bedeutung, was mich stört. Das Schlimme daran ist, dass das tragen dieses Schmucks im Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung steht. Aber dazu komme ich noch.

Jeder kennt das Gefühl des Unbehagens, wenn aktiv geistliche vor der Tür stehen, und über ihren einzig wahren Gott monologisieren wollen. Aber ich dachte mir sciheß drauf! Obwohl ich eine fundamentale Abneigung gegenüber Religionen habe, war ich dem Fremden mit hohen Alter aufgeschlossen. Im wesentlichen sprach er nicht das übliche "Gott und sein Homeboy Jesus sind so super"-Gelaber, sondern wollte nur zum Glauben anregen. Er gab uns Flyer, eine Anleitung zum Beten, und einen Rosenkranz mit.

Religionen sind wie Fußballvereine. Man findet die Religion für gut und richtig in die man hineingeboren und erzogen wird. Alle anderen sind nicht das Wahre, und es stört einen auch nicht wenn die eigene Religion die Weltmeisterschaft gewinnen würde, anders herum jedoch schon. Festgefahrene Muster.

Ich trage das Teil noch immer, und ich möchte es mal mit dem Beten probieren. Das letzte Mal gottgläubig war ich im Alter von sechs. Mit sieben habe ich dann schon Dinge ernsthaft in Frage gestellt. Somit komme ich mir zur aktuellen Lebzeit, wenn ich einen Gottesdienst besuchen muss, vor wie in einer staatlich und gesellschaftlich anerkannten Freakshow. Ich glaube an keinen Gott und ich werde es auch nie. Realismus. Ich glaube auch nicht an höhere Mächte oder sonst was. Realismus. Aber ich glaube an die Psychosomatik, und den positiven freien Glauben. Und das Teil fühlt sich nun mal gut an. Die Symbolik die ich diesem Rosenkranz gebe. Aber auch die dadurch auferlegte Zugehörigkeit der Spiritualität. Fazit ist es positiv für mich, ohne in innere Konflikte zu geraten. Daher trage ich das Teil immer noch.

Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung.
Ich möchte es mit beten probieren. Nur für mich. Aber nicht für mich. Denn ich finde es falsch für persönliche Gesundheit, Reichtum, Erfolg oder was auch immer zu beten, und einen Eigennutzen daraus zu ziehen. Auch ohne an Gott zu glauben, finde ich es falsch wenn Menschen zu einem Gott beten, nur weil sie etwas egoistisches haben wollen. Ich finde es gut für andere oder anderes zu beten. Ich finde es gut, sich mit der Prozedur Bewusstsein zu verschaffen. Auch zu realisieren, und Dinge zu schätzen. Ich war nicht dabei, als sie im Irak um Öl gekämpft haben. Ich bin nicht dabei, wenn sie in Afghanistan die zerstörten Straßen einer zerstörten Infrastruktur einer zerstörten Regierung mit Leichen bedecken. Aber ich kann in Gedanken dabei sein. Damit es mir nicht egal ist, dass zwölfjährige Buben und Mädchen in Indien keinen Reichtum und nicht mal Wohlstand haben, aber sechzehn Stunden Schichten leisten, damit unser feistes Volk reichlich Klamotten in etlichen H&Ms vorfindet. Somit soll mein Beten mir Bewusstsein schaffen. Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung ist, dass ich nicht in Versuchung geraten möchte, mich beschützt oder besonders zu fühlen. Der Konflikt meiner eigens zugeschriebenen Bedeutung ist, die Tatsache das ein Jesuskreuz dran hängt, und ich trotz meiner eigenen Bedeutung die Symbolik einer Religion repräsentiere.
Aber wozu habe ich dann diesen Rosenkranz?
Und weshalb trage ich ihn, immer noch?

 
 
07
September

Dies Werk soll Zeugnis tragen, über die Ereignisse und Entwicklung meines Lebens. Jedes Wort für wahr, und jede Silbe für ehrlich empfunden werden.


Und so nimmt ein gelungener Abend ein dennoch trauriges Ende. Denn ein Leben wurde unerwartet verlebt. Katharsis.

Ich kann berichten, dass ich zum ersten Mal in diesem Ausmaß, eine wundervolle Erfüllung mein Leben bereichert. Ich fühle mich erfüllt, zufrieden und glücklich. Ich habe bei dem Einsortieren meiner Sachen ein altes Notizbuch gefunden, dessen ich folgenden Inhalt entnommen habe:

<?

Jän 13

Rückblickend
Arbeit bei MTech entpuppt sich als fragwürdig und mies.
Deren Fehler, nicht meiner. #### Brutto.

Beziehung mit Lisa schwach bis kaum vorhanden.
Nette Wohngemeinschaft. Ablaufdatum.

Keine Freunde. Lukas meldet sich nicht.
Ist momentan glücklich. Ich bin unglücklich.

Syntax. Semantik. Pragmatik.

Menschliches Verhalten nach boolschen Operatoren kategorisieren.

Der Körper will sich spüren. - will Gesundheit. - will Auslastung.
Der Geist will wachsen. - will reifen. - will Bindung.
Die Seele will Balance. - will Ausgeglichenheit.

Woher kommt die Affinität zwischen mir und fremden Menschen?
Exclusiv-Or-Semantik.

Punkt.
?>

Es erscheint mir fast schon lachhaft.
Mein Terminkalender ist zwar nicht gesteckt voll, aber nun mehr keine nutzlose Applikation meines Mobilfunktelefones. An zwei von sieben Tagen wandern, einen Tag Camping, ein Tag mit fortgehen und tanzen, ein Tag mit gemütlichen Beisammensein. Es ist nun eine Auslastung da. Der Körper spürt sich. Und ist auf dem Weg wahrer Gesundheit.

Das Thema Beziehungen, Sex und Ficken, bzw. Fickbeziehungen ist durch. Ich will es nicht näher erläutern, aber nach diversen Gesprächen, konstruktiven Input und einem nächtlichen Spaziergang, hat zum Beispiel Ficken keine sonderliche Relevanz mehr. Ficken ist zwar schön und wichtig, aber die Lektion die ich angefangen habe zu lernen ist wichtiger. Und so wachst unter anderem der Geist. Er reift.

Ich spüre mich, arbeite an mir. Ich bekomme konstruktiven Input, und habe auch kreativen Output dank der Musik die ich wieder mache. Ich lerne Dallas Green Lieder zu spielen, oder erstelle Lieder am Computer und spiele jeden Ton ein, bis ein Lied daraus wird. Meine Freundschaften florieren, und mein Freundeskreis wächst. Ich lebe noch nicht ganz in Balance, aber dafür ausgeglichen.

Ein Leben wurde unerwartet verlebt.

Ich bin diesen Morgen mit einem Lächeln aufgewacht.
Endlich! Endlich Freitag. Cyberpunkers, Modestep, Dumme Jungs.
Shaken bis es Früh wird. Alkohol und Tanzwut. Ja!
Einfach tanzen. Mit geschlossenen Augen tanzen; alles rundum vergessen und sich spüren.

Nachdem wir uns im Museumsquartier eingeweicht hatten, fuhren wir mit den Öffis zum WUK, checkten uns die Karten, und pflegten dann noch einen unterhaltsamen Sitzkreis irgendwo am grauen Asphalt in einem Park ein paar Strassen weiter, bis der Pegel und die Laune komplett auf den Dancefloor ausgerichtet waren. Im WUK hatten sie sogar Zott-Monte in flüssiger Form, wonach ich schon lange lange gesucht habe. Haselnussschnaps. Der Lukas kam zu unserer Gesellschaft hinzu, was mich angemerkt, so dermaßen freute, endlich DIE Burschenpartie zu sein und einen drauf zu machen. Und wir machten einen drauf.
Gegen Mitternacht haben wir die Füße bewegt. Um Eins spielte Modestep, und es war so geil. Ich tanzte am Rand der Tanzgesellschaft, da wo mehr Platz ist zum strampeln. Als ich so meine Pirouetten drehte, bemerkte ich das da eine junge Frau in der Ecke sitzt und mit sich fertig ist. Ich tanzte mal recht locker hinüber, und beim näheren Betrachten viel mir auf das sie weinte.
Ich finde niemand hat es verdient, an so einen schönen Abend zu weinen. Ich checkte mal ihre Berührungsängste ab, und umarmte sie dann kurz. Ich wollte sie mit meinem überschüssigen Glück regenbogenfarbig ankotzen. Ich umarmte sie kurz, und bot ihr meine Rechte zum Tanz an. Sie verneinte, und ich akzeptierte das. Einige Zeit später ging Modestep glorreich zu Ende. Ich verließ die Mainstage um draussen kurz frische Luft zu schnappen. Da saß sie. Auf einer roten Heurigerbank, und weinte. Und wirklich niemand hat es verdient, an so einem schönen Abend zu weinen. Ich setzte mich mit geringen Abstand neben sie, und noch bevor sie etwas sagen konnte sagte ich zu ihr: "Ich bin kein Tröster. Ich bin ein Unbekannter. Ich seh, du bist traurig. Und vielleicht willst du heute an diesem Abend einem Unbekannten dein Herz ausschütten, mit dem Gedanken daran, dass wir zwei Unbekannte am Ende unseres Gesprächs diesen Abend noch getrennte Wege gehen. Nutze die Möglichkeit und erfahre vielleicht positiven Input. Was hältst du davon?".
So kamen wir ins Gespräch. Und jetzt kommt die Kirsche des Sahnehäubchens des riesen Erdbeer-Schoko-Eisbechers der sich mein Leben nennt. Wir führten gute zwanzig Minuten lang ein Gespräch, bis dann ihr Exmensch aus Krems angefahren kam um sie zu trösten. Nach dem Gespräch zweier Unbekannter, war sie ein bisschen weniger traurig, gar weinte sie noch. Mit einer ehrlichen und herzlichen langen Umarmung, meinte die junge Sozialarbeiterin mit lockigen Haaren und steirischen Dialekt, dass ich ein super Sozialbetreuer wäre. Sarkasmus. Wir dankten und wünschten einander alles Gute. Und so ging sie ihres Weges, und den meinen. Punkt.

Keine sexuellen Neigungen, kein Nummern austauschen, kein seichter Smalltalk, nein, einfach ein zutiefst menschliches Gespräch zwischen zwei Unbekannten. Auch wenn ich oft sage, dass man sich vom Gutmenschentum nichts kaufen kann, und auf Plattformen und Clubs immer übrig bleibt wie die letzten Restln vom Vortag, so ist das ein Sieg für mich. Ein Sieg in der Hinsicht, weil mir ein solches Erlebnis wesentlich mehr bedeutet als kalter Sex zweier Unbekannter die sich egal sind, und spätestens am Tag nach dem Morgen vergessen. Ein Sieg für mich, weil es mir verdeutlicht wie wertvoll mir meine Prinzipien sind. Punkt.

Um Fünf sind wir dann weg gegangen, haben beim McDonalds gefrühstückt wie Könige nach einer Schlacht, und sind dann mit dem Zug Richtung Heim gefahren.

Ein Leben wurde unerwartet verlebt.

Und so spanne ich nun fort, dass ein kleiner Vogel sein jähes Ableben fand, als er versuchte mit seinem Genick eine Glasscheibe zum bersten zu bringen. Es ist alles andere als komisch. Der Zug fuhr ein, und ich wollte das zuckende Wesen nicht dem ÖBB Reinigungspersonal oder gar dem Abfalleimer überlassen. So packte ich ihn ein und nahm ihn mit. Lukas merkte wie mir zu mute war. Er merkte, dass mir das Ableben eines Vogels nahe ging. Ich beerdigte ihn nahe der Baustelle meines Bahnhofes, und besang sein Ableben mit einem Mantra.

Fin.

 
 
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Last update: 2014.07.10, 03:24
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